Gründer im Porträt: Lea Matschke und Melanie Wagenfort von „brajuu“

Vom Problem zum Unternehmen: Jahrelang war der Kauf von Unterwäsche für Melanie Wagenfort ein Graus – verwirrende Größensysteme, wenig Auswahl und unangenehme Kommentare von Verkäuferinnen führten zu einem negativen Shoppingerlebnis. Um dem Frust endlich ein Ende zu setzen, entschied sie sich mit ihrer Geschäftspartnerin und CBS-Alumna Lea Matschke das boobtech-Start-up „Brajuu“ zu gründen, um den Wäschemarkt zu revolutionieren. Ziel der beiden Unternehmerinnen ist es nun, Frauen zu helfen, online den passenden BH für ihre Bedürfnisse zu finden. Auf ihrer Onlineplattform nutzen sie dafür einen smarten Brafitting-Algorithmus. Wir haben mit beiden Unternehmerinnen über ihre Gründungserfahrungen und ihre Pläne gesprochen.

 

CBS: Lea, Du hast an der CBS International Business im Bachelor studiert und 2016 abgeschlossen. Wie bist Du in Deinem Studium mit dem Thema „Gründung“ in Berührung gekommen?

Lea Matschke: Während meines Studiums habe ich verschiedene Kurse mit dem Fokus auf „Entrepreneurship“ belegt. Zudem gab es Vorträge und Veranstaltungen der Founders‘ Factory, bei denen ich mich weiter mit dem Thema Gründung auseinander gesetzt habe.

CBS: Gab es Dozenten oder Kommilitonen an der CBS, mit denen Du Dich über „Unternehmensgründungen“ austauschen konntest?

Lea Matschke: Ja! Ich fand es immer sehr spannend, wenn unsere Dozenten über ihr eigenes Unternehmen berichtet haben. Im Austausch mit meinen Kommilitonen habe ich schon während des Studiums Gründungsideen entwickelt, die ich aber letztlich nicht umgesetzt habe. Wir haben uns zudem in verschiedenen Projektarbeiten mit neuen Business-Ideen, der Internationalisierung von Start-ups und der Bewertung von Business Plänen beschäftigt. Es macht Spaß, sich mit anderen Interessierten auszutauschen, die ein ähnliches Ziel verfolgen.

CBS: Welches Wissen aus Deinem Studium und den Angeboten des hochschulgründernetz cologne e.V. konntest Du bei Eurer Gründung anwenden?

Lea Matschke: An der CBS habe ich alle Business-Grundlagen kennengelernt, was mir heute die Sicherheit gibt, wichtige Entscheidungen für unser Start-up richtig abzuwägen und treffen zu können. Im hgnc haben wir uns zu verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten beraten lassen. Ich kann die Veranstaltungen des hgnc auch zum Netzwerken mit anderen Start-ups empfehlen. In diesem Jahr freuen wir uns natürlich besonders über unseren 3. Platz beim hgnc-Ideenwettbewerb.

CBS: Was ist das Besondere an Eurer Geschäftsidee?

Melanie Wagenfort: Wir verhelfen Frauen zu passender Unterwäsche mit Hilfe eines Algorithmus, der die Brust der Frau mit gut sitzenden BH-Modellen abgleicht. 80 Prozent der Frauen tragen jeden Tag einen BH, der ihnen nicht richtig passt – was nicht selten zu gesundheitlichen Problemen führt. Für viele Frauen ist Unterwäsche kaufen zudem eine Qual: Die Größen sind kompliziert, jede Marke fällt anders aus und gute Beratung und ein großes Größenangebot sind schwer zu finden. Darüber hinaus liegen die Onlineretouren für Unterwäsche bei 75 – 95 Prozent, was hohe Kosten und CO2-Emissionen für die Onlinehändler bedeutet. Genau hier setzen wir mit unserem #boobtech Start-up an.

CBS: Was unterscheidet Euch von Euren Mitbewerbern?

Melanie Wagenfort: Unsere Kundinnen machen ein kurzes Fitquiz zu ihrem aktuellen Lieblings-BH und erhalten dann von unserem Algorithmus individuelle BH-Empfehlungen. Diese Empfehlungen sind markenübergreifend.

Die großen Onlineshops legen bisher nur wenig Fokus auf Unterwäsche und bieten keine gute Unterstützung beim Kauf. Die auf Wäsche spezialisierten Onlineshops weisen oftmals keine gute Customer Experience auf und ‘beraten’ meist mit umständlichen Größentabellen. Ein gutes Wäscheangebot am Onlinemarkt ist bereits da. Jetzt helfen wir Frauen die richtigen Produkte für ihren Körper und ihre Bedürfnisse zu finden.

CBS: Was waren die größten Herausforderungen auf dem Weg zur Gründung?

Lea Matschke: Eine Herausforderung, mit der wir immer wieder konfrontiert sind, ist es, fokussiert zu bleiben. Es kommen täglich so viele neue Aufgaben hinzu, dass es uns manchmal schwer fällt zu priorisieren. Aktuell sind zudem die Finanzierung unserer Idee und die Suche nach weiteren Teammitgliedern herausfordernd und spannend zugleich.

CBS: Hat sich Eure Geschäftsidee im Laufe der Zeit geändert?

Melanie Wagenfort Ja, wir sind im Juli 2018 noch mit der Idee gestartet, maßkonfektionierte Unterwäsche anhand eines 3D-Scans herzustellen. Wir haben erfolgreich Prototypen produziert, mussten aber nach einiger Zeit feststellen, dass sich die Idee aktuell noch nicht zu 100% realisieren lässt. Wir haben aber gemerkt, dass es einen großen Bedarf an besser passender Unterwäsche gibt und sind überzeugt, dass die Themen Body Positivity und Female Empowerment mehr Aufmerksamkeit verdienen.

CBS: Was würdet Ihr CBS-Studierenden raten, die mit dem Gedanken spielen selbst zu gründen?

Lea Matschke: Um einen ersten Einblick zu bekommen und um sich Feedback für seine Idee einzuholen, ist der Besuch von Meet-ups und Gründungsveranstaltungen super gut. Die Start-up Szene in Köln wächst aktuell stark und man kann leicht mit Gründern in Kontakt kommen. Neben einem guten Netzwerk spielt das Team die größte Rolle. Außerdem sollte man seine Idee möglichst schnell mit einem MLP (“Minimal Lovable Product”) testen, um herauszufinden, ob ein Bedarf am Markt besteht.

CBS: Was sind Eure Pläne für die nächsten fünf Jahre?

Melanie Wagenfort: Unser Ziel ist, dass unsere Technologie in 5 Jahren bei jedem Onlinekauf von Unterwäsche und Bademoden weltweit eingesetzt wird.  Um dorthin zu kommen, launchen wir unsere  Wäscheplattform im ersten Quartal 2020. Nach und nach werden wir mehr Partnerwebsites, weitere Labels und auch Bademoden in unseren Shop aufnehmen, um unseren Kundinnen eine möglichst große Auswahl an Produkten zur Verfügung zu stellen. Mittelfristig werden wir unsere Technologie direkt bei Onlineshops und spezialisierten Wäscheshops einbinden, um diese dabei zu unterstützen, hohe Retourenkosten zu senken und wertvolle Ressourcen zu sparen.

CBS: Vielen Dank für das Interview!

6. Januar 2020